WILPF tritt Kampagne gegen Mittelstreckenwaffen bei
Die feministische Friedensorganisation WILPF ist das neuste Mitglied in der Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Im Gespräch berichtet Ko-Vorsitzende Mariana Lechterbeck, warum sie sich gegen Mittelstreckenwaffen engagieren und gibt einen Einblick in die Arbeit einer der ältesten Frauen-Friedensorganisationen der Welt.
Warum ist euch von WILPF der Einsatz gegen Mittelstreckenwaffen wichtig?
Als deutsche Sektion der Women’s International League for Peace and Freedom (WILPF) setzen wir uns bereits seit über 100 Jahren für einen gerechten Frieden ein. Genau aus diesem Grund richten wir schon immer einen besonderen Blick auf die Verschränkungen von unterdrückerischen Systemen wie dem Patriarchat, Militarismus, Kolonialismus und Kapitalismus, ohne deren Abschaffung ein solcher Frieden sonst nicht möglich wäre.
Mittelstreckenwaffen lassen sich für uns ganz klar innerhalb dieser Systeme verorten. Immer, aber ganz besonders in Zeiten wie diesen von Aufrüstung und zunehmender Militarisierung, ist es uns ein besonderes Anliegen, eine feministische Perspektive auf Ereignisse, wie die Platzierung der Mittelstreckenwaffen in Europa zu richten und zu beleuchten, welche Macht- und Unterdrückungssysteme dadurch gestärkt werden, welche Menschen am meisten betroffen sind und sein werden.
Wir wissen, dass jegliche Militärlogiken, darunter auch die Stationierung von Mittelstreckenwaffen, uns und unsere Welt nicht sicherer machen. Stattdessen fordern wir die Stärkung sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Friedensstrukturen.
Gemeinsam sind wir lauter, stärker und kreativer im Einsatz für Abrüstung und Frieden.
Was hat euch veranlasst, Mitglied der Kampagne „Friedensfähig statt erstschlagfähig. Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen!“ zu werden?
Als Verein ist es besonders schön, dass ein Mitglied uns auf euch aufmerksam gemacht hat und für uns von Anfang an klar war, dass wir selbstverständlich dabei sein möchten. Wir wissen, wir müssen „Banden bilden“ und freuen uns darum sehr, innerhalb der Kampagne mit Bündnispartner*innen zusammenarbeiten zu dürfen, von denen wir einige bereits aus jahrelanger Zusammenarbeit kennen und andere nun in ihrem wichtigen Engagement kennenlernen dürfen. Gemeinsam sind wir lauter, stärker und kreativer im Einsatz für Abrüstung und Frieden. Gleichzeitig sind wir füreinander da und bereichern uns mit unseren vielfältigen Perspektiven und Erfahrungsschwerpunkten. Das ist unglaublich wichtig und schön und wir freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit.
Was macht WILPF sonst noch so und wo kann ich mehr darüber erfahren?
Auch sonst engagieren wir uns vielfältig sowohl im lokalen, nationalen, als auch weltweiten Kontext. Ein feministischer Frieden ist dabei sowohl Ausgangspunkt als auch Vision. Unsere Mitglieder sind in ganz verschiedenen Bereichen aktiv und engagieren sich zum Beispiel für Klimagerechtigkeit und Abrüstung, arbeiten zu autonomen Waffensystemen, thematisieren sexualisierte Kriegsgewalt und das Kriegsgeschehen überhaupt.
Alle zwei Jahre verleihen wir einen Anita Augspurg-Rebellinnen gegen den Krieg-Preis an eine Frau, die sich für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzt. Mehr zu unserem Engagement könnt ihr hier auf unserer Webseite lesen.
Besonders interessant ist für euch vielleicht auch noch unsere „Move the Money“-Kampagne, die wir gemeinsam mit unserem internationalen WILPF Netzwerk durchführen. Hier geht es um die Umverteilung von Geld, das in Kriege gesteckt wird, hin zu sozialer Gerechtigkeit.
